Studien- und Berufsorientierung

Kein Abschluss ohne Anschluss

Mit dem Schuljahr 2018/19 ist die Landesinitiative „KAoA“ (Kein Abschluss ohne Anschluss), deren Mitglied die Lippetalschule seit 2014/15 ist, in der gymnasialen Oberstufe angekommen. Die als Standardelemente vorgesehenen Angebote zur Orientierung in Bezug auf Studium bzw. Beruf haben den Zweck, die Berufswahlkompetenz junger Menschen zu stärken und sie dazu zu befähigen, ihre Berufsbiographie auf der Basis ihrer Interessen und erworbenen Kompetenzen eigenverantwortlich gestalten zu können. Ziel der beruflichen Orientierung in der Oberstufe ist es, den Jugendlichen das Treffen einer Entscheidung in Bezug auf die sich nun bietenden Möglichkeiten Studium/duales Studium oder Ausbildung zu ermöglichen.

Kurzübersicht über die Angebote zur Berufs- und Lebensplanung

Einführungsphase
– Orientierungsfahrt (wegen Corona z. Z. ausgesetzt)
– Workshop zur Standortbestimmung: Reflexion des beruflichen Orientierungsprozesses

– Workshop zur Entscheidungskompetenz 1: Reflexion der Einflussfaktoren, die auf den Beruflichen Orientierungsprozess einwirken

– Informationsveranstaltung der Agentur für Arbeit (Berufsberaterin SII: Frau Krabbe)
– Individuelle Beratung durch Agentur für Arbeit (Sprechstunde von Frau Krabbe)

Qualifikationsphase 1
– Workshop zur Stärkung der Entscheidungskompetenz: Bewusstmachung möglicher Rahmenbedingungen und Perspektiven eines Studiums oder einer Ausbildung
– Workshop zur Nutzung einer Universitätsbibliothek (wegen Corona z. Z. ausgesetzt)

– Einführung in das Selbsterkundungstool „SET“ der BA

– Training „Assessment Center“ (Herr Becker, Barmer)

– Workshop zur zielgerichteten Zukunftsplanung (FH des Mittelstandes, Bielefeld)
– Besuch eines Hochschultags (wegen Corona z. Z. ausgesetzt, jedoch Online-Angebote)
– Praxiselement: einwöchiges Praktikum
– Informationsveranstaltung der Agentur für Arbeit (Berufsberaterin SII: Frau Krabbe)
– Individuelle Beratung durch Agentur für Arbeit (Sprechstunde von Frau Krabbe)

Qualifikationsphase 2
– optionaler Besuch weiterer Hochschultage (Online-Angebote)
– Praxiselemente (optional)

– Anschlussvereinbarung „EckO“ – Sek. II
– Informationsveranstaltung der Agentur für Arbeit (Berufsberaterin SII: Frau Krabbe)
– Individuelle Beratung durch Agentur für Arbeit (Sprechstunde von Frau Krabbe)

Konzept der Studien- und Berufswahlorientierung (StuBo) in der Sekundarstufe II an der Lippetalschule

Das Konzept der Studien- und Berufsorientierung Sek. II befindet sich noch in der Aufbau- und Testphase. Insgesamt geht es nicht nur darum, die neuen KAoA (Keine Abschluss ohne Anschluss) -Standardelemente der Landesregierung für die Sek. II umzusetzen, sondern auch dem Leitbild der Lippetalschule entsprechend die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler*innen in den Blick zu nehmen.

Ein fester Bestandteil in der Studien- und Berufsorientierung auch in der Sek. II ist die kontinuierliche Begleitung durch die Bundesagentur für Arbeit. Bisher war Frau Spiekien-Heemann als Repräsentantin der BA Soest für die Sek. II der Lippetalschule zuständig. Nach ihrem Ruhestand wird Frau Krabbe, die für die Sek. I der Lippetalschule zuständig ist, auch die Sek. II übernehmen. Frau Krabbe ist mit den Schüler*innen schon aus den Beratungsstrukturen in der Sek. I so vertraut; dass wir davon ausgehen, dass das Beratungsangebot auch in der Sek. II niederschwellig wahrgenommen und entsprechend genutzt wird. Sie wird zukünftig Informationsveranstaltungen zur Studienorientierung allgemein als auch speziell zur Vortragsreihe „Studium und Beruf“ der BA Soest durchführen, die von den Schüler*innen der Sek. II bisher sehr positiv aufgenommen und genutzt worden sind.

Vorbereitend für die Sek. II finden bereits im Jahrgang 10 verbindliche Informationsveranstaltungen und individuelle Beratungsgespräche zur individuellen Gestaltung der Schülerlaufbahnen durch Variationsmöglichkeiten bei der Fächerwahl und zu den damit verbundenen Implikationen auch für die Studien- und Berufswahl statt. Der Einsatz des Touch Tomorrow Truck soll dabei für die Bedeutung der MINT-Fächer für die heutige Berufswelt sensibilisieren und eventuelle diesbezügliche Hemmschwellen abbauen.

In der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe steht im Rahmen der schulischen Fahrten- und Projektwoche vor den Herbstferien die „Woche der Zukunftsorientierung“ an. In den ersten drei Tagen dieser Woche werden die „Tage der religiösen Orientierung“ in der Jugendbildungsstätte St. Benedikt in Billerbeck durchgeführt. Dort geht es um den Beginn des neuen Lebensabschnitts „Oberstufe“ und allgemeinmenschliche Fragen der Lebensorientierung, der Sinnbildung und des sozialen Miteinanders. Die genauen Themen werden jeweils von den Schüler*innen mit den Teamern der Jugendbildungsstätte vereinbart. Auf der Basis der dort angebahnten Prozesse werden in den beiden letzten Tagen der Woche der Zukunftsorientierung Workshops speziell zur Studien- und Berufsorientierung durchgeführt, und zwar zum einen der Workshop „Standortbestimmung“ als verbindliches KAoA-Element, und zum anderen eine Einführung in die Nutzung des Selbsterkundungstools SET.

Am Ende des ersten Halbjahres unternimmt der EF-Jahrgang eine Exkursion zur Universität Paderborn, wo im Kontext des Kunstunterrichts und seiner Aufgabe, nicht nur durch eigene Gestaltungen, sondern auch durch die Wahrnehmung und Reflexion der Vielgestaltigkeit von Kultur und Lebenswirklichkeit zur ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung beizutragen, der Besuch einer Ausstellung von Kunststudentinnen und –studenten durchgeführt wird. Hierdurch wie auch durch die anschließende Campusführung wird den Schüler*innen bereits in einem frühen Stadium ihrer Laufbahnentwicklung in der Oberstufe nahegebracht, dass Lern- und Entwicklungsprozesse mit Gestaltungsprozessen Hand in Hand gehen und dass dies nicht nur die schulische, sondern auch die universitäre Ausbildung und letztlich ihre lebenslange Entwicklungsprozesse prägen wird.

In der letzten Schulwoche des zweiten Halbjahres besucht der EF-Jahrgang die Westfälische Studienbörse, um sich dort über die Breite der Studienangebote von Universitäten und Fachhochschulen in der Region zu informieren und die eigenen Interessen weiter auszuschärfen. Folglich wird in dieser Woche dann auch der KAoA-Workshop „Entscheidungskompetenz I“ durchgeführt, um die im Laufe des Schuljahres im Zusammenhang mit Studien- und Berufsorientierung gemachten Erfahrungen gezielt zu verarbeiten.

In einzelnen Fächern wird bereits eine außerschulische fachliche Entwicklungsperspektive in den Blick genommen. Hierbei ist besonders das Fach Sport zu nennen, in dem die Schülerinnen und Schüler der Sek. II von der EF bis zur Q2 in jahrgangsübergreifenden Projekten die Möglichkeit haben, ihre Kompetenzen außerhalb des Unterrichts zu erweitern. Dies betrifft zum einen das Wintersportprojekt, das für die Jahrgänge EF bis Q2 durchgeführt wird, und zum anderen den „DFB Junior Coach“-Lehrgang, in dem die Schülerinnen und Schüler umfangreiche, vielfach nutzbare Kompetenzen als Sport-Coaches erwerben.

Speziell die fachlichen Möglichkeiten der Weiterentwicklung des StuBO-Konzepts Sek. II gilt es in den nächsten Jahren weiter zu verfolgen.

Das erste Halbjahr der Q1 steht im Zeichen der Facharbeit und folglich der wissenschaftspropädeutischen Ausbildung. Die Projektwoche wird in diesem Jahrgang für die Einführung in die Bibliotheksrecherche an der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund und für Workshops zur Verarbeitung von Materialien für eigene Fragestellungen, zur Gliederung wissenschaftlicher Arbeiten und zu wissenschaftlich redlicher Dokumentation von verwendetem Material in Fußnoten genutzt.

Ende des ersten Halbjahres besucht die Q1 die Hochschultage in Dortmund, wobei im Vorfeld von den Schüler*innen durch Anmeldungen zu entsprechenden Veranstaltungen individuelle Interessensschwerpunkte gesetzt und dementsprechend während des Hochschulbesuchs verfolgt werden können. Vor- und nachbereitet wird die Hochschulerkundung mit Arbeitsmodulen der TU Dortmund und der Stiftung der Wirtschaft, die von den Schülerinnen und Schülern bearbeitet und in ihrem Berufswahlpass dokumentiert werden.

In der Mitte des zweiten Halbjahres der Q1 sollen die von der FH des Mittelstands durchgeführten Workshops zu Studienfeldern im Bereich der Digitalisierung dazu dienen, den Schüler*innen die Bildungs- und Berufsmöglichkeiten speziell in diesem zukunftsträchtigen Bereich vor Augen zu führen und ihre Perspektive auch in dieser Hinsicht zu erweitern.

In den letzten beiden Schulwochen der Q1 wird das von KAoA vorgesehene Praxiselement durchgeführt. Da in der gymnasialen Oberstufe einer Gesamtschule die Interessen der künftigen Abiturientinnen und Abiturienten in der Regel breiter gefächert sind als am Gymnasium, erhalten die Schüler*innen der Lippetalschule die Möglichkeit, sich individuell und auf der Basis der durch die bis dahin durchgeführten Bausteine des StuBO-Konzepts gewonnenen Erkenntnisse entweder für ein erneutes Betriebspraktikum oder für ein Hochschulpraktikum zu entscheiden. Das Betriebspraktikum soll möglichst in einem Berufsfeld stattfinden, das die Fachhochschulreife oder die allgemeine Hochschulreife als Zugangsvoraussetzung vorsieht, damit die dort gemachten Erfahrungen der Praktikant*innen die im Betriebspraktikum im Jg. 9 gewonnenen Erkenntnisse erweitern. Hinsichtlich des Hochschulpraktikums konnten die Fachhochschulen der Region, nämlich die FH Südwestfalen und die FH Hamm-Lippstadt, sowie als Universität die TU Dortmund zur Zusammenarbeit gewonnen werden. Wie die genaue Konzeption des Hochschulpraktikums aussehen wird, ist noch in der Planung, da auch die genannten Fachhochschulen sich in Bezug auf dieses KAoA-Element noch in der Aufbauphase befinden. Bisherige Überlegungen und Absprachen gehen aber in eine Richtung, die auf eine individualisierte Zuschneidung des Praktikums auf die spezielle Interessenslage der jeweiligen Schülerinnen und Schüler und damit auf das für die Lippetalschule grundlegende Prinzip der individuellen Förderung abzielt.

Zum Abschluss und zur Auswertung des Praxiselements wird der KAoA-Workshop „Entscheidungsfindungskompetenz II“ durchgeführt.

In der Q2 rückt angesichts des herannahenden Abiturs als primäres Ziel die Freiwilligkeit von Elementen der Studien- und Berufswahlorientierung in den Vordergrund. Nachdem die Schüler*innen bis dahin viele verbindliche StuBO-Elemente durchlaufen haben, ist nun davon auszugehen, dass sie inzwischen ihre jeweiligen Bedürfnisse kennen und sich daher zielgerichtet und eigenverantwortlich weitere individuell benötigte Informationen und Erfahrungen beschaffen. Dies können die Wahrnehmung individueller Beratungsangebote vor Ort (BA Soest, StuBO-Koordinator Sek. II, Beratungslehrer), aber auch der Besuch weiterer Informationsbörsen oder die Durchführung von kürzeren Praxiselementen sein.

Die Durchführung von EckO bildet daher den Abschluss der StuBO-Arbeit in der Sek. II und zugleich den Anschluss an den nächsten Abschnitt der (Aus-)Bildung und der lebenslangen Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit.